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heroische Rosen
heroische Rosen

Heroic roses
1938,139 (J 19)
Oil on jute on stretcher
68 x 52 cm
Bez. o.l.: "Klee", a.d. Keilrahmen: "1938. J 19. „heroische Rosen” Klee"
Inv. Nr. 0046
Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf
Erworben 1960
Aufnahme: Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf
Commentary
Exhibitions
Literature
Provenance

Die kraftvolle Liniensprache, die typisch für Klees Spätwerk der Zeit nach 1937 ist, findet sich paradigmatisch in einem Gemälde wie „heroische Rosen“: Das Bildfeld wird strukturiert durch balkenartig verbreiterte, tief schwarze Spiralen- und Zickzackformen. Sie werden ergänzt durch vereinzelte Bildchiffren in der Form von Dreiecken, Punkten und geometrisch nicht genauer beschreibbaren Formen. Da die schwarze Linienstruktur an mehreren Stellen vom Bildrand überschnitten wird, ergibt sich der Eindruck eines All-over-Musters auf der Bildfläche. Diesem Eindruck wirkt die zentrale Plazierung einer großen Spirale entgegen, die als Blickfang im Bild fungiert. Klee hat das schwarze Lineament zuerst festgelegt, um dann die Flächenteile farblich zu differenzieren. Zum Teil folgen die Grenzen der farbigen Felder den Vorgaben der schwarzen Balken, zum Teil stoßen unterschiedliche Farbfelder ohne lineare Zäsur direkt aufeinander. Die Farbskala enthält Blau-, Grün und Umbrawerte sowie Rot- und Violetttöne. In Verbindung mit dem Bildtitel assoziiert der Betrachter einen Garten mit Rosen. Vergleicht man jedoch die Bildsprache von „heroische Rosen“ mit Klees früheren Garten- und Pflanzendarstellungen, so wird die entschiedene Naturferne seines Spätwerkes deutlich. Klee schöpft hier nicht mehr aus dem Fundus der Natur, sein Bildvokabular entfaltet sich nicht in Analogie zur Sprache der Natur. Der Künstler setzt ihr seine eigene Formfindung fast gewaltsam entgegen.

In seinen „Beiträgen zur bildnerischen Formenlehre“ unterschied Klee „konzentrische und exzentrische Kräfte“. Jene Formbewegung, bei der die „Kreise immer enger gezogen werden“, führt nach Klee „zur bewegungsfeindlichen Spirale, zur Todesspirale, in der die Bewegungskurve enger und enger wird, was in verfänglicher Weise zum Nichts führt. Verfänglich an dieser Vorstellung ist die beängstigende rhythmische Beschleunigung gegen das Ende zu.“ (1) Im Rahmen des Bauhaus-Unterrichts hatte Klee auch eine Spirale aus gebrochenen Linien konstruiert, die unter dem Titel „Von der Radius-Progression bzw. Regression zur Spirale“ veröffentlicht wurde. (2) Die gebrochene Spirale in „heroische Rosen“ vermittelt den Eindruck der auf einen inneren Punkt zulaufenden „Todesspirale“.

Sie ist gleichzeitig aber auch ein autonomes Formmotiv von unbestimmter Vieldeutigkeit. Mit nur geringfügigen Veränderungen konnte die winklig gebrochene Spiralform in zeitlich nahestehenden Werken auch zur Beschreibung gänzlich anderer Gegenstände eingesetzt werden: So wird in „Timider Brutaler“, 1938.138, die Bildfigur ebenfalls durch eine große gebrochene Spirale dargestellt. Das Ölgemälde, das in Klees Werkkatalog unmittelbar vor „heroische Rosen“ verzeichnet ist, dient in der Publikation der „Beiträge zur bildnerischen Formenlehre“ als Gestaltungsbeispiel für die „bewegungsfeindliche“, auf einen inneren Punkt hinführende Spirale. (3) In dem Bild „Zankduett“, 1938.148 (Dauerleihgabe in der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen) hat der Künstler auf diese Weise zwei menschliche Körper ins Bild gebannt.

Pia Müller-Tamm, in: „Einblicke. Das 20. Jahrhundert in der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf“, Ostfildern-Ruit 2000, S. 531f. mit Farbabb. S. 146

(1) „Paul Klee. Das bildnerische Denken“, hg. von Jürg Spiller, Basel 1971, S. 415
(2) Pädagogischer Nachlaß 16, Manuskript 17, S. 89; vgl. Jürgen Glaesemer, „Paul Klee. Die farbigen Werke im Kunstmuseum Bern“, Bern 1976, S. 327
(3) Klee 1971, a.a.O., S. 416