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schwarzer Fürst
schwarzer Fürst

Black prince
1927,24 (L 4)
Ölfarbe und Tempera auf Ölgrundierung auf Leinwand
33 x 29 cm
Bez. o.l.: "Klee 1927 L 4"
Inv. Nr. 0016
Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf
Erworben 1960
Aufnahme: Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf
Text zum Werk
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Literatur
Provenienz

Konstruktion und Geometrie sind Möglichkeiten in Klees Werk, die in der Bauhaus-Zeit im Vordergrund seiner formalen Untersuchungen standen. Daneben schuf er Werke, in denen der Künstler einer Verrätselung des Bildlichen Vorschub leistete. Zwei Kreise für die Augen, ein gewinkelter Balken für die Nase, zwei versetzte Streifen für den Mund bilden auf dunklem Grund die physiognomischen Elemente von „schwarzer Fürst“. Zusätzlich hat der Künstler am oberen Abschluß des Kopfes, im Kreissegment unten rechts und im Gestirn oben links kryptische Zeichen plaziert. Eine gespreizte Hand zeigt sich in der unteren linken Bildecke. Werner Schmalenbach erkennt hier einen „Mohrenhäuptling aus dem Kinderbuch ... Klee malt mit dem schwarzen Märchenfürsten zugleich den Schwarzen Erdteil, das Geheimnisvolle und Phantastische einer fern entlegenen Welt, und dies mit den allereinfachsten Mitteln und nicht ohne Ironie“ (1). Darüber hinaus erkennt er in Klees Bild einen Zusammenhang mit dessen Interesse am Primitivismus, das die bewußte Naivität der Bildmittel begründe. Ulrich Bischoff siedelt den Fürsten aus der Märchenwelt in einer exotisch-fremden Region, in einem imaginären Zwischenreich an, das schon immer als Klees eigentliche Heimat angesehen wurde. (2) So schrieb Carl Einstein bereits 1926: „Klee schafft eine kleine Zwischenwelt, die gewiß nie zum Schulhaften erhoben werden soll, deren skurriles Frommsein jedoch nicht verleugnet werden darf. Da wir kaum noch objektive symbolische Bezirke besitzen, schafft er etwas wie private Mythologie, wobei die abtrennende, wirklichkeitsferne Kraft neuer Anschauung klug genutzt wird.“ (3)

Chapeaurouge faßt das künstlerische Interesse am Numinosen, Übersinnlichen konkreter als Auseinandersetzung mit den letzten Dingen: Tod, Gericht, Himmel und Hölle. Demnach stelle „schwarzer Fürst“ ein Bild des Teufels dar. Im Johannesevangelium (12, 31; 14, 30; 16, 11) werde der „Fürst dieser Welt“ mit dem Teufel identifiziert. Die kryptischen Zeichen deutet der Autor als magische Beschwörungen des Satans, der sich geheimnisvoll im dunklen Grund der Hölle verliert. Zahlreiche Hinweise im Werk belegen Klees dauerhafte Beschäftigung mit den letzten Dingen. Doch befaßt sich der Künstler mit diesen Themen nicht im christlichen Sinne. (4) Klee hat vielmehr sein Werk mit unzähligen geheimnisvollen Rückverweisen ausgestattet, die seinem Hang zu Spott und Ironie, aber auch seiner Neigung zur Selbststilisierung als spirituelles Wesen Rechnung tragen. Die frühe Klee-Literatur hat diese bewußte Inszenierung seiner Person aufgenommen und sein Werk in einem entmaterialisierten, von imaginären Wesen bevölkerten Zwischenreich angesiedelt. Demgegenüber betont die Klee-Forschung seit den späten siebziger Jahren den historischen Begründungszusammenhang, in dem Klees künstlerische Inventionen einer jenseitigen Welt entstanden sind.

Pia Müller-Tamm, in: „Einblicke. Das 20. Jahrhundert in der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf“, Ostfildern-Ruit 2000, S. 528f. mit Farbabb. S. 114

(1) Werner Schmalenbach, „Paul Klee. Die Düsseldorfer Sammlung“, München 1986, S. 60f.
(2) Ulrich Bischoff, „Paul Klee“, München 1992, S. 64
(3) Carl Einstein, „Die Kunst des 20. Jahrhunderts“, Berlin 1926, S. 142
(4) Donat de Chapeaurouge, „Paul Klee und der christliche Himmel“, Stuttgart 1990, S. 69ff.