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Dame und Mode
Dame und Mode

Lady and fashion
1938,146 (K 6)
Oil and crayon on oil ground on jute, on stretcher
70 x 100 cm
Bez. a.d. Keilrahmen: "1938.K.6. 'Dame und Mode' Klee"
Inv. Nr. 0048
Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf
Erworben 1960
Aufnahme: Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf
Commentary
Exhibitions
Literature
Provenance

Das Jahr 1937 markiert den letzten Wendepunkt in Klees künstlerischem Schaffen: den Beginn des umfangreichen, stilistisch eigenständigen Spätwerkes. Charakteristisch für die Werke bis zum Todesjahr 1940 ist eine Reduktion und Vereinfachung in allen Aspekten des Bildlichen. An die Stelle der komplexen formalen Gefüge in den vorausgehenden Werkphasen treten einfache und großzügige Bildanlagen in zumeist großen Formaten. Abermals tritt eine Änderung im Spannungsverhältnis von Form und Farbe in Erscheinung: Die Linien verbreitern sich zu Balken, sie gewinnen an Flächigkeit und Substanz. Immer wieder werden die kurzen, zumeist schwarzen Linien als Zeichen, Chiffren oder Hieroglyphen bezeichnet. Die Farben, die erst im zweiten Arbeitsschritt hinzutreten, werden in großen Flächen häufig auf grob strukturierten Untergrund aufgetragen. Die Skala bewegt sich zumeist in wenigen kräftigen, stark kontrastierenden Tönen. In Verbindung mit den balkenartigen Liniengebilden ergibt sich der Eindruck von Monumentalität und Signalhaftigkeit. Ein Werk wie „Dame und Mode“ zeigt, zu welchen Differenzierungen es auch in Klees stilistisch relativ einheitlichem Spätwerk kommt. Das querformatige Bild zeigt zwei durchlaufende Linienzüge ohne Überschneidungen, die nur durch wenige kürzere Linienstücke ergänzt werden. Es sind – in Klees Terminologie – „aktive“ Linien. Sie werden frei über die Fläche geführt, haben erkennbare Anfangs- und Endpunkte und wirken nicht chiffrenartig gesetzt, wie dies bei Klees balkenartigen Linien häufig der Fall ist. Auch in der Farbigkeit bleiben die Linien hier heller als im Spätwerk üblich. Sie lassen den ockerfarbigen Jutegrund durchscheinen und harmonieren mit der zarten Farbgebung des Fonds in duftig aufgetragenen Gelb-, Orange- und Hellbrauntönen. Auch wenn die Linien sich nicht zu Flächen schließen, so artikulieren die Zwischenräume doch Flächenformen: Es bilden sich zwei formale Einheiten, die als Figurationen, dem Titel zufolge als zwei weibliche Gestalten, gelesen werden können. Deren bildliche Charakterisierung bleibt jedoch auf ein Minimum beschränkt: Nur die rechte Dame zeigt ein Auge und einen Mund als Andeutungen einer Physiognomie. Nach Grohmann äußerte Klee angesichts dieser Arbeit und der stilistisch verwandten Gouache „Gruppe macht Augen“, 1938,1 „das muß ich von Schlemmer gelernt haben“. (2) Im Vergleich mit Schlemmers marionettenhaften Bildfiguren und deren Artikulation im Bildraum erscheint Klees Rückbezug allerdings sehr vage. Dessen Kompositionen werden durch eine entschiedene Bezugnahme auf die Fläche und eine Offenheit in der Deutung des Gegenstandes charakterisiert.

Pia Müller-Tamm, in: „Einblicke. Das 20. Jahrhundert in der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf“, Ostfildern-Ruit 2000, S. 533 mit Farbabb. S. 138

(1) Christie’s New York, Auktion 12. Mai 1992, Nr. 136
(2) Zit. n. Will Grohmann, „Paul Klee“, Genf/Stuttgart 1954, S. 325