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tief im Wald
tief im Wald

Deep in the wood
1939,554 (CC 14)
Aquarell und Tempera auf ölgrundierter Leinwand
50 x 43 cm
Bez. u.r.: "Klee", a.d. Keilrahmen: "1939 CC 14 'tief im Wald' Klee"
Inv. Nr. 0052
Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf
Erworben 1960
Aufnahme: Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf
Text zum Werk
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Literatur
Provenienz

Das Jahr 1939 ist Klees letztes vollständiges Schaffensjahr, in dem er doppelt so viel arbeitete als in einem Jahr je zuvor. In dieser rauschhaften Arbeitsphase schuf der von der Krankheit gezeichnete Künstler weit über tausend Werke, in denen ihm eine Vielzahl an bildlichen Themen und Ausdrucksmitteln zur Verfügung stand. Noch einmal wendet sich Klee der Naturdarstellung zu. Der Titel „tief im Wald“ läßt an die naturlyrische Komposition aus der frühen Bauhaus-Zeit „Gott des nördlichen Waldes“, 1922.32, denken, doch wird gerade aus dem Vergleich dieser Werke Klees lapidarer Sprachstil im Spätwerk deutlich. Während er in dem früheren Bild eine komplexe Netzstruktur aus linearen Zeichen und nuancenreichen Farbstufungen gab, artikuliert er in „tief im Wald“ die Elemente der Natur mit einem äußerst reduzierten Formenvokabular. Schwarze abbreviatorische Linien definieren einige wenige pflanzliche Motive: eine Blüte oder eine Frucht und einige Blätter. Mit diesen Elementen entfaltet Klee ein Spiel zwischen runden, spitzen und gezähnten Formen. Diese sind gleichmäßig über die Fläche verteilt, zum Teil werden sie vom Bildrand überschnitten. Der optische Schwerpunkt liegt in der großen Blüte links oben. Das Bild weist in allen Partien den gleichen Grünton auf, nur der Grad der Helligkeit ist verschieden: Die Pflanzen sind in hellerem Grün vor den dunkleren Bildgrund gestellt. Die weich gerundeten Formen und der fließende Rhythmus von „tief im Wald“ finden sich in einigen Werken des Jahres 1939 wieder. Zu nennen sind zum Beispiel die Gemälde „Torso und die Seinen“, 1939.256, sowie „Schlafstelle der Vier“, 1939.388. Nach Glaesemer ist den Werken dieser Gruppe der „Ausdruck von Wachstum und Verwandlung, von Vorgängen, die Klee in einer skizzenhaften Etüde als ›pathetisches Keimen‹ bezeichnete“ (1), gemeinsam. Besonders eng verwandt ist „tief im Wald“ mit dem Gemälde „Blaue Blume“, 1939.555. Hier findet sich fast das gleiche Motivrepertoire wie in dem Düsseldorfer Bild; allerdings ist der Duktus in „Blaue Blume“ etwas weniger flüssig. Gemeinsam ist beiden Werken die offenkundige Nähe zur romantischen Naturmetaphorik, die Klee hier in seinem Spätwerk nochmals – in gänzlich unsentimentaler Weise – aktiviert.

Pia Müller-Tamm, in: „Einblicke. Das 20. Jahrhundert in der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf“, Ostfildern-Ruit 2000, S. 533f. mit Farbabb. S. 144

(1) Jürgen Glaesemer, „Paul Klee. Die farbigen Werke im Kunstmuseum Bern“, Bern 1976, S. 337